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Selbstverwalter im Portrait
Dr. Günter Bouwer

Dr. Günther Bouwer (Bild: Bildarchiv DRV Bund)

  • Seit 2017 Vorstandsmitglied der Deutschen Rentenversicherung Bund

  • 2005 bis 2011 Mitglied in einem Widerspruchsauschuss

  • Seit 2011 Mitglied im Personalausschuss und im Organisations- und Bauausschuss des Vorstandes

„Die Digitalisierung bewältigen ohne größere Verwerfungen"

Seine erste Begegnung mit der Sozialen Selbstverwaltung, erinnert sich Günter Bouwer, muss im Jahr 1995 stattgefunden haben. „Ich hatte gerade eine neue Stelle übernommen, war von einem internationalen Entsorgungsunternehmen zur Techniker Krankenkasse nach Hamburg gewechselt, und dort, im Bereich Marketing und Vertrieb, bekam ich erstmals mit Selbstverwaltern und ehrenamtlichen Mitarbeitern zu tun. Das war für mich neu und interessant. Dieses Engagement und dieser Einsatzwille – das begeisterte mich.“

Das Thema ließ ihn fortan nicht mehr los. Und als der promovierte Ökonom Jahre später auf den Ruhestand zuging und ein neues Engagement suchte, entschied er sich, selbst ehrenamtlich aktiv zu werden. Für soziale Fragen hatte er sich schon immer interessiert, „das lag nicht zuletzt an meiner christlichen Prägung in meinem Elternhaus in der Grafschaft Bentheim“, erzählt Bouwer. So wurde er in der Deutschen Rentenversicherung Bund Mitglied in einem Widerspruchsauschuss.

„Einmal im Monat trafen wir uns in diesem Ausschuss: ein Vertreter der Verwaltung, der Arbeitgeber und der Versicherten. Dort verhandelten wir Widersprüche einzelner Versicherter gegen Entscheidungen der Verwaltung. Mein Platz war auf der Versichertenseite“, berichtet er. Wie lief das ab? Gab es oft Streit, heftige Kontroversen? Eher selten, erwidert Bouwer: „Es dominierte das Bemühen, Lösungen im Konsens zu erzielen.“

Nach den Sozialwahlen 2011 entsandte ihn die Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Bund in den Personalausschuss und in den Organisations- und Bauausschuss des Vorstandes, und 2017 schließlich wählte ihn das Sozialparlament in den Vorstand. „Immer ging es darum, die Interessen der Versicherten und der Rentner zu wahren. Für sie setzte und setze ich mich ein.“

Zum Beispiel beim Thema Digitalisierung. Dass die Rentenzahlung durch die Rentenversicherung pünktlich und korrekt erfolgen müsse, verstehe sich ja von selbst. „Immer mehr ,Kunden‘ verlangen aber zusätzliche Informationen auf ihren Smartphones. Wir müssen also die Verwaltung in das digitale Zeitalter überführen, aber ohne dass es zu größeren Verwerfungen kommt. Bislang ist uns das, gemeinsam mit den Beschäftigten, ganz gut gelungen.“

Das betreffe nicht nur die festen Angestellten der Deutschen Rentenversicherung Bund, sondern auch die ehrenamtlichen Versichertenberaterinnen und Versichertenberater. „Sie stehen weiter im Fokus meines Interesses“, sagt Bouwer. „Häufig sind sie die ersten, die unmittelbaren Ansprechpartner in der Region. Versicherte und Rentner haben in ihnen hervorragende Fachleute, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.“

Auch an den Versichertenberaterinnen und Versichertenberatern zeige sich, dass die Träger der Sozialversicherung in Deutschland eben keine staatlichen Behörden seien und auch keine namenlosen Dienstleistungsgesellschaften mit angeschlossenem Call-Center. „Hätten Krankenkasse und Rentenversicherung unmittelbar den Weisungen der Bundesregierung zu folgen, würden Gesundheits- und Rentenleistungen möglicherweise je nach Kassenlage organisiert. Dass es anders läuft, nämlich zum Nutzen der Beitragszahler und Rentner, dafür sorgt die Soziale Selbstverwaltung. Sie ist wirklich eine Errungenschaft, und viele Beschäftigte, Rentner und Arbeitgeber verstehen das auch so.“

Die Arbeit in der Selbstverwaltung mache viel Spaß, versichert Bouwer. Allerdings verlange das Ehrenamt Zeit. „Wer sich in der Selbstverwaltung engagiert, muss zu Hause die angemessene Unterstützung haben. Ohne Zustimmung des Familienrates kann das alles nicht gelingen.“ Dann aber könne er jedem nur zuraten: „Wer Lust hat, sich ehrenamtlich zu engagieren, der ist bei uns gut aufgehoben.“