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Selbstverwalter im Portrait
Dr. Gerd Benrath

Dr. Gerd Benrath (Bild: Bildarchiv DRV Bund)

  • Seit 2005 in der Selbstverwaltung der Deutschen Rentenversicherung Bund aktiv

  • Vorstandsmitglied der Deutschen Rentenversicherung Bund

  • Alternierender Vorsitzender des Personalausschusses

  • Mitglied des Haushalts- und Finanzausschusses

  • Mitglied des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung Bund

„Eine Frage der Perspektive"

Gerd Benrath zählt nicht zu der Spezies von Managern, die aus lauter Fixierung auf ihren Beruf mit ihrer Freizeit nichts anzufangen wissen. Im Spreewald reitet er Islandpferde und freute sich schon länger darauf, endlich mehr Zeit dafür zu haben. Die hat er nun nach Aufgabe seines Jobs als Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) zum Jahresende 2018. Ganz und gar in seinem Hobby aufgehen aber wird er nicht, denn eine andere Verpflichtung wird er auch als Ruheständler weiter erfüllen: das Ehrenamt als Vorstand der Deutschen Rentenversicherung Bund. "Ich bin ja nicht auf der Flucht“, sagt er. "Also führe ich das Amt, das ich für die Zeit bis 2023 übernommen habe, auch weiter."

Benrath wirkt für die Arbeitgeberseite seit 2005 an der Sozialen Selbstverwaltung mit, und auch wenn die Beschlüsse in den Gremien in aller Regel im Einvernehmen gefasst werden – Unterschiede zu den Vertretern der Versicherten und der Rentner gebe es gelegentlich schon, berichtet er. "Uns als Arbeitgebervertretern ist es besonders wichtig, die Verwendung der Mittel zu optimieren. Werden zum Beispiel bei den von der Deutschen Rentenversicherung Bund betriebenen Reha-Kliniken sämtliche Potenziale zur Kostenreduzierung genutzt? Der Bundesrechnungshof, der uns kontrolliert, fragt regelmäßig nach, ob man das Ganze nicht auch kostengünstiger machen kann, über kommerzielle Anbieter etwa."

Achten die Versichertenvertreter denn nicht auch auf Wirtschaftlichkeit? Doch, durchaus, "aber sie verweisen eher auf den hohen Leistungsstandard, der aus der Sicht der Arbeitgeber auch in einem angemessenen Verhältnis zu den laufenden Betriebskosten stehen muss", erläutert Benrath. Beide Sichtweisen seien gleichermaßen nachvollziehbar und wichtig. Dass bei allen wichtigen Entscheidungen auch beide berücksichtigt würden, dafür sorge die Soziale Selbstverwaltung.

Manchmal stoße sie aber auch an ihre Grenzen – dann nämlich, wenn Bundesregierung und Bundestag die Gelder der Versicherten für allgemeine Zwecke heranzögen. Die Aufstockung der Mütterrenten zum Jahresbeginn 2019 sei so ein Beispiel. "Wir finden es nicht gut, dass die Mittel dafür von den Beitragszahlern aufgebracht werden müssen. Es geht um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, wenn den Müttern diese Anerkennung zuteilwird für das, was sie geleistet haben. Das heißt aus unserer Sicht als Selbstverwalter: Das Geld müsste aus Steuermitteln kommen, nicht aus den Rücklagen der Sozialkassen. Wir haben es laut und deutlich gesagt, und derartig politische Äußerungen kommen von uns nicht oft – wir wollen schließlich, dass unser Wort Gewicht hat. In diesem Fall aber sind wir nicht gehört worden."

Als alternierender Vorsitzender des Personalausschusses ist Benrath immer dann besonders eingebunden, wenn Führungspositionen in der Rentenversicherung neu zu besetzen sind. Da sei Empathie gefragt, aber auch die Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen. "Jede Behörde führt ein gewisses Eigenleben, gerade an Personalfragen können sich Differenzen entzünden. Trotzdem finden wir eigentlich immer einen Konsens."

Das Wirken der Selbstverwaltung vergleicht Benrath mit der Arbeit eines Aufsichtsrates. "Wir beobachten, wir kontrollieren. Nehmen wir die Digitalisierung – ein Riesenthema für die Rentenversicherung! Der Datenschutz auf der einen, der Traum von der digitalen Akte auf der anderen Seite… Da ist unendlich viel zu tun."

Seine eigene Altersgruppe, räumt er ein, sei nun mal "nicht so IT-affin wie die heutige Netflix-Generation. Ich gehöre wirklich noch zu den altmodischen Leuten, die fernsehen. Jeden Abend um 21.45 Uhr mache ich das heute-Journal an. Soll jemand wie ich den Schlauberger spielen und den jungen Leuten sagen, wie die Digitalisierung funktioniert? Das wissen sie besser als ich." Deshalb werde die laufende Legislaturperiode der Sozialparlamente für ihn auch die letzte sein. Dann seien andere an der Reihe, die Soziale Selbstverwaltung mit Leben zu erfüllen.